Von unverhofften Schmunzel-Zeiten

Boa, als ich gestern morgen die Augen öffnete, war er da: Der Herbst! Mit allem, was dazugehört. Nebel, Regen und gelangweilt von den Bäumen herabhängendes Laub. Pfff, was für eine Tristesse. Glücklicherweise hatte Petrus ein Nachsehen und lies wenigstens während meines Morgenlaufs die himmlischen Wasserhähne dicht. Die Seebrücken lagen irgendwo im diesigen Nichts und außer mir hatte es nur Joseph und Tobi an den Strand verschlagen. Das morgendliche Freundetreffen an der Waterkant sozusagen und immer ein schöner Start in den Tag. Tobi übrigens schert sich nicht im geringsten um Herbsttristesse und mensch- und tierunfreundliche Wassertemperaturen. Fröhlichen Schrittes nimmt er zu gern Kurs auf das jetzt schon viel zu kalte Nass, um sich in schwanzwedelnder Vorfreude genüsslich in eben dieses zu legen und sein dichtes schwarzes Fell von den Ostseewellen fluten zu lassen. Joar, klasse. Besonders wenn er dann anschließend seiner Kuschelsucht nachgeben mag und sich geschmeidig und mit möglichst viel tropfender Körperfläche an meine Beine lehnt. Schmunzelzeit. Ich mag den kleinen Mann. Auch, weil er mich immer für einen Moment an die gemeinsamen Morgen mit Foxy erinnert. Seit fast acht Monaten ist er nicht mehr an meiner Seite. Ich habe mich daran gewöhnt und trotzdem überfallen mit ab und an die Momente, in denen eine Fußbewegung unter dem Tisch seinem filigranen Tapsen auf dem Parkett gleich. Auch das ist heute Schmunzelzeit.

Aber was ich eigentlich erzählen wollte: Nachdem ich nun die Villa Sonnenschein wieder erreicht hatte und mich das glänzende Schild an der Gartenforte daran erinnerte, dass der Herbst bisher extrem freundlich zu uns war, fing es auch schon an zu regnen. Ich zog mich also zügigen Schrittes in das Innere meiner Lieblingsvilla zurück, beschloss nach dem Blick auf die Wetter-App jeglichen Kontakt mit dem, was der Herbst draußen veranstaltete, vorerst zu vermeiden und mich meinem Tagwerk zu widmen.

Ich saß also ein paar Stunden vor dem Rechner, klickte hier und da und überlegte mir gerade, ob ich für den Termin am Nachmittag das Schneeflöckchen vom Parkplatz bemühen oder doch mit dem so ungeliebten Regenschirm fussläufig dem Herbst ins Gesicht schauen sollte, als es plötzlich hell wurde. Also, so richtig hell. So als würde die Sonne scheinen. Da draußen, wo doch der Herbst gerade war. Und es war tatsächlich so. Da setzte sich doch der Gute-Laune-Planet einfach über alle Wetterprognosen hinweg, schob die dichten Wolken auseinander und verursachte unverhofft ein Glücksgefühl. Ich entschied mich für die Fussläufigkeit ohne Schirm, dafür aber mit Kamera und habe unweit der Ahlbecker Seebrücke einen gutbesuchten Spatzenpool entdeckt, in dem die wohlgenährten Federbälle von leuchtenden Augenpaaren bestaunt genüsslich planschten. Ich drückte die Aufnahmetaste und stellte amüsiert fest: Auf Usedom sind sogar die Spatzen fett. 😀

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