…und dann war da noch die Einsamkeit

Manchmal, ganz überraschend ist sie da. Drückt und zerrt und schiebt dicke Wolken vor sommerliches Himmelblau. Dann nimmt sie Platz am gedeckten Frühstückstisch, dem manchmal das Gegenüber fehlt. Und dann wieder treibt sie den Blick vorbei an den lachenden Gesichtern der Freundeschar weit hinaus auf das Meer. Genau in diesem Moment tut sie besonders weh.

Es gab eine Zeit, in der ich oft einsam war. In der ich schmerzvoll alle Tage lebte, vermisste und glaubte, mein Glück allein in einem anderen Menschen zu finden. In jemandem, der mich ganz machte. Und die Wochen und Monate vergingen und ich sah traurig auf das, was ich mein Leben nannte. Ich suchte in den Blicken der Menschen und in den Tiefen des Internets nach jemandem, der meinem Leben wieder einen Sinn geben konnte. Und ich fand nichts, außer diesem endloses Spiel aus Hoffnung und Enttäuschung. Ich tat mir selber leid.

Doch irgendwann entdeckte ich, dass ich auch nicht mehr bereit war, mich auf jede Beziehung einfach einzulassen. Das ich in meiner Einsamkeit viel über mich gelernt habe und dass ich sie aushalten konnte. Dass es nicht die Einsamkeit selbst war, sondern etwas in mir, dass ihr entfliehen wollte. Ich lies sie zu und die Bilder in mir aufsteigen. Gab den Gefühlen und Erinnerungen Raum. Und langsam verwandelte sich ihre bedrückende Ohnmacht in ein Gefühl der Freiheit. Ich konnte doch selbst entscheiden und begann mich selbst zu leben. Entdeckte meine Leidenschaften, kochte nur für mich und tanzte allein zwischen all den Menschen durch die Nacht. Ich machte mich auf den Weg zu meiner persönlichen Freiheit. Fragte mich, was ich schon immer einmal tun, erleben, lernen und sehen wollte. Stellte mir Aufgaben, kletterte über meine eigenen Mauern und entdeckte die Freiheit außerhalb meiner Komfortzone. So manches mal glaubte ich, ich würde sterben. Ich hielt Ängste aus und Zweifel, und fiel doch immer irgendwann mit einem Lächeln in mein Bett. Ich gab mir Zeit für Entscheidungen, hinterfragte und habe so manches Mal auch Menschen wehtun müssen.

Irgendwann fühlte ich mich wohl mit mir selbst. Und nicht nur das. Plötzlich fühlten sich Menschen wohl mit mir. Je mehr ich meine Persönlichkeit lebte, desto mehr zog ich genau die Menschen an, die mein Leben bereichern. Ich lernte, dass Menschen so viele Facetten haben. Dass es Begegnungen mit ihnen braucht, um sich selbst zuerkennen. Dass die Einsamkeit, so schwer sie auch auszuhalten ist, eine große Chance in sich trägt. Und dass wir erst durch all die Täler und den Schmerz gehen müssen, um zu reifen und irgendwann eine Liebe ohne Erwartungen und Ängste in ihrer wertvollsten Form leben zu können.

Ich habe die Angst vor der Einsamkeit verloren und wenn sie heute um die Ecke schaut, nehme ich sie in den Arm und weiß, es ist an der Zeit auf mein Leben zu sehen.

So schön passend dazu: Roger Cicero — Zu zweit (o2 MusicSession) – MyVideo

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