Von der Endlichkeit des Augenblicks

Nun war er da. Der Augenblick, vor dem ich so lange Zeit Angst hatte, weil ich nicht wußte, was er mit mir machen würde. Weil ich mir nicht vorstellen wollte, was in mir aufbricht…nach all der Zeit. Doch das Leben schert sich nicht um ängstliche Phantasien, belächelt zittriges Zögern mit Schulterzucken und zeigt mit dem Finger fordernd nach vorn: Schau hin! Da läuft ein Stück Deines Lebens. Menschliche Erinnerung Schritt für Schritt auf feuchtem Sand. Spuren hinterlassend. Erst tief und kraftvoll auf der Achse der Zeit, bis sie irgendwann nur noch zu erahnen sind.

Wie hättest Du mir reiner gegenübertreten können? Ungeschminkt blauäugige Vergangenheit, formverändert an diesem grauen Herbstmorgen ans Meer gelegt. Und es rührte mich an. Unverhofft lächelnd. Versöhnend. Distanziert vertraut. Begleitet von fliegenden Hundepfoten, wortwechselnd bis sich meine Richtung änderte und ich mit jedem Schritt dem Licht entgegen Vergangenes in den Nebel legte. Und das Leben schlug weiter im gewohnten Takt, als wäre mir ein Schutzschild gewachsen. Ich sah hinaus in die Weite, in die ich all meine Hoffnungen, meine Wünsche mit dem Neujahrsschiffchen geschickt hatte und weiß nun endlich, dass sie angekommen sind. Ich habe die Sehnsucht nach Dir verloren und auch den Schmerz, eingetauscht gegen ein warmes Nicken und die Gewissheit, dass ein Teil meines Herzen auf immer Dir gehört. Und mit jedem Schritt zurück zu mir wächst meine Freiheit und das Glück, Tag für Tag ein Stück von mir und einen Schatz zu entdecken, der Liebe wirklich leicht macht…

Menschliche Erinnerungen auf feuchtem Sand @ claudia pautz

Menschliche Erinnerungen auf feuchtem Sand @ claudia pautz

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