I’m feeling blue oder wie Color Blocking die Kunst erobert

Endlich wieder Musikfestival auf Usedom. Und wer jetzt glaubt, es ginge doch nur um klassische Musik in kalten Kirchen, liegt fast richtig. Aber eben nur fast. Denn mal abgesehen von den erwähnten klassischen und immer sehr hochkarätigen Konzerten in teilweise unterkühlten Veranstaltungsräumlichkeiten kann man noch einiges mehr während des Usedomer Musikfestival erleben. Interessiert? Dann hier stöbern!

Aber kommen wir zum Wesentlichen – kommen wir zum Erleben! Auch wenn ich heute neidisch auf die Bilder des gestrigen Sinfonie-Konzerts  in Peenemünde schaue, zu dem ich leider keine Karte mehr bekommen konnte, durfte ich heute doch die Eröffnung der Festivalausstellung in der Villa Irmgard in Heringsdorf erleben. Natürlich auch zum diesjährigen Thema Russland. Und was läge näher als eine Ausstellung über „Sommergäste – Russen auf Usedom“ in Villa Irmgard. Schließlich verbrachte Maxim Gorki hier einst einige Zeit, und der war bekanntermaßen Russe.
Die Veranstalter verbanden die Ausstellungseröffnung mit der Enthüllung einer Statue eben jenen Maxim Gorkis, die in den letzten etwa 40 Jahren den Eingangsbereich des ortseigenen Gymnasiums zierte und nun den Vorgarten der Villa Irmgard verschönert. Soweit zum drumherum!
Nun bin ich ja Ausstellungsfan und lasse mir solche Events selten entgehen. Das heute war jedoch….jaaa, wie sage ich es diplomatisch?…anders! Beim Betreten der Ausstellungsräume in der Villa dachte ich noch: „Na, Mensch, ein blaues Passepartout sieht man echt selten. Das passt aber auch gar nicht.“ Ein paar Schritte weiter bemerkte ich, dass sämtliche Bilder an den Wänden in blauen Passepartouts eingefasst waren. „Oooookay! Das hat vielleicht so seinen Sinn“ versuchte ich meinen inneren Stilratgeber noch zu beruhigen als ich den Worten eines Herrn lauschte, der beim Betrachten eines Bildes mit dem Zeigefinger senkrecht über den Lippen meinte: „Das erinnert mich an…Packpapier…ja, nur andersrum!“ Wir kamen sofort ins Gespräch.

Ausstellung in der Villa Irmgard - Sommergäste - Russen auf Usedom

Ausstellung in der Villa Irmgard – „Sommergäste – Russen auf Usedom“

Zur Eröffnung verwöhnte man uns mit 4 ganz wunderbar interpretierten Klavierstücken verschiedener polnischer und russischer Komponisten. Ich bitte hier höflichst  um Entschuldigung, dass mir die Namen nicht im Gedächtnis geblieben sind. Es war was mit Ypsilon am Ende…
Ach und wer einmal die Gelegenheit hat, den musikalischen Ausführungen von Journalist (WELT, ZEIT, FAZ etc.) und Autor Jan Brachmann zu lauschen, sollte dies tun. Er kann’s.
Nach der musikalischen Einlage nahm uns Ortshistoriker Fritz Spalink wortreich mit in die hochherrschaftliche Kaiserzeit Heringsdorfs und gab so den Startschuss für die Ausstellung. Mein Packpapier-Freund und ich machten uns in Begleitung einer Dame auf, die „Russen auf Usedom“ zu entdecken. Naja, was wir eigentlich entdeckten, waren die präsentationsspezifischen Eigenheiten der einzelnen Exemplare. Blau lenkt aber auch ab!
Wir lernten ob der gelben Bildbeschriftungen, dass Color Blocking nun auch die Kunst erobert hat und dass blau nicht gleich blau ist:

Und blau ist nicht gleich blau

…blau ist eben nicht gleich blau

Zu den verschiedenen geometrischen Varianten der Bildumrandung gehörte neben „Gradlinigkeit ist nebensächlich“ auch die Version „Packpapier andersrum mit Loch drin“

Variante "Packpapier andersrum mit Loch drin"

Variante „Packpapier andersrum mit Loch drin“

Leider kann ich zu den verpackten Bildern selbst kaum Ausführungen machen, weil mich das Blau zu sehr in den Bann zog. Allein die Qualität der Stücke bleibt hinter meinen Erwartungen weit zurück. Alles in allem finde ich als 1x-pro-Woche-mit-Gästen-auf-historischen-Spaziergang-Geherin die Ausstellungsidee großartig, nur die Umsetzung…nun ja, in 4 Wochen ist alles vergessen!

Was allerdings kaum zu vergessen ist und ganz besonders schmerzt, sind 4 fette Bolzen im Sockel der Gorki-Statue im Villa-Vorgarten. Kinder, das hätte nicht sein müssen! Da gibt es andere Möglichkeiten, wie mir ein befreundeter Industriedesigner beim gemeinsamen Betrachten versicherte. Was dazu wohl der Künstler meinte….

Da zerrt's am Künstlerherzen - einfach mal die Schrauben durch den Sockel...

Da zerrt’s am Künstlerherzen – einfach mal die Schrauben durch den Sockel…

Nachtrag 19.09.2012
Vorm hinten dran was vorne weg: 
Wie mir glaubhaft versichert worden ist, sind die Löchern im Sockel der oben erwähnten Gorki-Statue bereits seit 20 Jahren dort zu finden und keineswegs Produkt voreiliger Entscheidungen. Sie wurden einzig zur jetzigen Verankerung wiederbelebt: „…am Samstag wurde er dann vorläufig mit den neuen Schrauben durch 4 schon seit mindestens 20 Jahre im Sockel  vorhandene Löcher gesichert, die jetzt  geschliffen werden, dann Gummikappen bekommen und unterm Rasen nicht sichtbar sind.“ Fritz Spalink (Ortshistoriker)

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