Nächtliches Natur-Schauspiel

Die Promenade schläft beruhigend einsam ihren ersten Frühlingsschlaf. Beschützt von leuchtenden Laternen, deren Lichtkegel den dahinschlängelnden Weg wie Tapsen durchziehen. „Es ist Frühling“ sagt der Wind, hat seine raue Seite abgelegt und streichelt nun mit weicher Hand mein Gesicht. Aufatmen. Und wie das Pflaster unter meinem Rädern rennt, kommt mir wieder eine Sturmzeit in den Sinn:

…da sitze ich nun seit 3 Tagen in meinem Nest, weil die Temperatur meiner Glieder den vorgeschriebenen Höchstwert nicht unwesentlich überschritten hat. Mist! Tag 1 verschlafen, Tag 2 verträumt, Tag 3 mit der Nase in einem dicken Buch. Und nun sitze ich hier an meinem Esstisch, lasse die Beine baumeln und mein Blick geht hinaus in die Nacht, wo am Himmel die Wolken im Mondlicht munter tanzen. Hm. Während ich noch in den hintersten Ecken meiner Phantasie nach Kurzweil krame, klopft der Mond an mein Fenster und meint, ich verpasse ein tolles Naturschauspiel. „Ja“ entgegne ich ihm „aber es ist kalt draußen und ich bin krank und Lust habe ich auch keine“. Er zwinkert mir nur zu, lächelt noch einen Augenblick verschmitzt, bevor er  wieder hinter einem Himmelsschiff verschwindet. Und das Gedankenrad beginnt zu kreisen ”Habe ich keine Lust? Doch habe ich eigentlich schon und Foxy muss auch noch raus und im Dunkeln und bei der Kälte sieht mich eh niemand mit Stativ und Kamera in den Dünen wandern. Nein, unverantwortlich!“ Beim Weg ins Bad lächeln die Schuhe frech, die Fotocrew wartet schon am Eingang und der Schwanzwedler leuchtet mir mit seinen brauen Punkten entgegen. Was bin ich schwach – Überredet!
Dick eingepackt mit Kamera bewaffnet, der Hund im freien Lauf strecke ich den Kopf über die Düne. Majestätisch! Der alte Mond in all seiner Pracht verwandelt das tosende Meer in einen silbernen Teppich und macht die Nacht fast zum Tage. Wolken ziehen eilends auf’s schützende Land als verfolge sie Poseidon persönlich. Es ist glasklar und eisig kalt und die Lichter der anderen Insel scheinen zum Greifen nah. Ich stehe einfach nur da. Überwältigt von dieser nächtlichen Schönheit bin ich es nun, die zwinkernd nach oben schaut. „Danke Luna“ Die Kälte zwickt in meine Wangen, der Wind zerrt an meinen Hosenbeinen und ich drück den Auslöser:

Nächtliche Sturmzeit - Foto © claudia pautz 2011

Nächtliche Sturmzeit – Foto © claudia pautz 2011

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